Aktualisiert am

17. 11. 2009

Gesundheitswoche 2009

Füttern und Windeln wechseln

Achtklässler im Test als Mama oder Papa

Lautes, anhaltendes Babygeschrei. Auf diese Weise unsanft aus dem Schlaf gerissen, möchte man am liebsten die Bettdecke über beide Ohren ziehen. Aber man trägt doch die Verantwortung für den kleinen Wurm, der nebenan im Kinderbettchen liegt und weint. Es ist gerade einmal halb zwei, mitten in der Nacht. Und das, obwohl morgen früh um acht die Schule losgeht Eine solche Situation könnte für die Schüler der Jahrgangsstufe acht an der KöniginLuisenSchule in WanneEickel Realität werden. Im Rahmen der Herner Gesundheitswoche haben sie die Möglichkeit, am "Projekt Baby" des Vereins Welle e.V. teilzunehmen. Drei Tage und zwei Nächte lang geht e darum, computergesteuerte Babypuppen unter Realbedingungen zu betreuen und den Alltag mit ihnen zu bewältigen.

"Reale Einschätzungen gilt es zu vermitteln"

Ein Ziel des Projekts ist die Vermeidung von TeenagerSchwangerschaften. "Teilweise haben die Jugendlichen tatsächlich den bewussten Wunsch, eine eigene Familie zu gründen", sagt Thomas Schäfer Schulsozialarbeiter der Hauptschule. Die Puppen sollen jedoch nicht bloß als Abschreckung dienen, sondern den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, Erfahrung zu sammeln.

"Es geht darum, reale Einschätzungen zu vermitteln, was junge Eltern leisten müssen", so DiplomPsychologe Egon Heinze.

Gemeinsam mit der Sozialpädagogin Kathrin Schinksi leitet er das Projekt. Zehn Computersäuglinge bringen die beiden mit, die von jeweils von ein oder zwei Schülern betreut werden.

Los geht es am ersten Projekttag mit einem kurzen theoretischen Einstieg. Die Jugendlichen sollen sich überlegen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen: Wie sehen die nächsten fünf Jahre aus? Sind Heirat und Familie schon ein Thema? Wie würde sich der Alltag ändern, wenn plötzlich ein Kind zu versorgen wäre? Werden anschließend die Puppen verteilt  entscheidet selbstverständlich der Zufall über Geschlecht und Aussehen des Babys. In der Natur geht es ja auch nicht nach Wunsch. Schließlich werden die Computerbabys aktiviert und beanspruchen von diesem Zeitpunkt an die volle Aufmerksamkeit ihrer "Eltern". Anders als beim Tamagotchi  wer erinnert sich nicht an das virtuelle Küken, um das man sich wie um ein echtes Haustier kümmern musste?  können  die Babypuppen

jedoch nicht einfach abgestellt werden. Ein Chip dokumentiert ohne Unterbrechung, wie die Puppe behandelt wird.

Am zweiten Tag werden die Anforderungen noch verschärft: Neben de Betreuung des Kindes müssen die Jugendlichen projektbezogene Hausaufgaben erledigen und herausfinden, was es bedeutet, wenn andere Aktivitäten wie Schule, Sport und Alltag hinzu kommen. Viele Jugendliche seien sich nicht darüber bewusst, welche Verantwortung das Elterndasein mit sich bringe, sagt Egon Heinze. "Erst heißt es, Ach wie süß! Babysitten ist doch angenehm', so der Projektleiter, "aber es gibt 1000 Kleinigkeiten, an die die Jugendlichen gar nicht denken."

Nach über 48 Stunden Windelstress und Babyglucksen sollten die KöniginLuisenSchüler folgende Frage beantworten können: Bin ich wirklich schon so weit, die Verantwortung für ein eigenes Kind zu übernehmen.

 

Projekt Baby im Jahrgang 8 mit Erfolg abgeschlossen!

Thema: Das Projekt-Team hat für das Rollenspiel unter Realbedingungen zehn computergesteuerte Babypuppen mitgebracht, die von den Jungen und Mädchen der Jahrgangsstufen 8 drei Tage und drei Nächte lang betreut werden. Die Jugendlichen sollen ihr Baby in den normalen Alltag integrieren. Diese Babypuppen fordern ihren Eltern auf Zeit alles das ab, was Babys nun mal brauchen, da sie die realen Bedürfnisse eines Säuglings simulieren. Ziel ist eine realistische Lebens- und Familienplanung, Verhütung, verantwortliche Partnerschaft und die Vermeidung von Teenagerschwanger- schaften.

Moderatorin Frau Kathrin Schinski

Mit Hilfe des Bingobären loste Moderator Egon Heinze die  Babypuppen unter den Schülerinnen und dem Schüler der Klassen 8 unter den Augen des Auf- nahmeteams des Bürger- funks auf Herne 90.8 aus.

Moderator    Herr Egon Heinze

WOCHENBLATT  Herne-Wanne-Eickel                                                            Sonntag. 03.Mai 2009

Wenn der Kleine schreit, wird die Nacht zu Tage

KöniginLuisenSchülerinnen testen ihre Fähigkeiten als Mütter mit Babypuppen

Welche Eltern kennen das nicht: Man liegt gerade im Bett, schon verlangt der frisch geborene Nachwuchs nach Aufmerksamkeit. Das kann schon an die Substanz gehen, denn Kinder machen nicht nur Freude, sondern auch ordentlich Arbeit. Diese Erfahrung durchlebten nun auch zehn Schülerinnen der KöniginLuisenSchule.

Das letzte Mädchen kommt mit leichter Verspätung in die Klasse. Sie geht zu ihrem Platz und stellt das Babykörbchen ab. Neben ihr sind acht noch weitere Schülerinnen da, die allesamt ein Baby auf dem Arm halten.

Aber keine Angst, es handelt sich nicht um ein Treffen der unfreiwilligen Jungmütter an der Schule, sondern um die Zusammenkunft der Teilnehmerinnen des "Projekt: Baby". Betreut werden die jungen Damen von Egon Heinze und Kathrin Schinski vom Verein Welle. "Die Teilnehmer sollen lernen, wie es ist, für ein Kind Verantwortung zu übernehmen", erklärt Heinze. Dabei sind Jugendliche ab 14 Jahren angesprochen. Dafür dürfen die Teilnehmerinnen für zwei Tage und Nächte Mama spielen. Natürlich werden keine echten Kinder als Versuchsobjekte verwendet, sondern spezielle Säuglingspuppen. Diese sind computergesteuert und simulieren die Grundbedürfnisse eines kleinen Erdenbewohners.

Drei Stufen

"Es gibt drei Einstellungen", erklärt Heinze. "Wir haben hier die mittlere gewählt, bei der sich das Baby durchschnittlich einmal pro Stunde meldet". Dann müssen die Mädchen es entweder wickeln oder füttern, es will Bäuerchen machen oder einfach getragen werden.

Das Dumme daran ist nur, dass sich der liebe Kleine nicht einfach nach immer 60 Minuten meldet, sondern, nach dem Zufallssystem programmiert, ab und zu gar nicht und dafür dann später mehrmals kurz hintereinander. Nachdem sich das Baby meldet, haben die Teilnehmerinnen zwei Minuten, um zu reagieren.

"Ich musste heute Nacht acht Mal aufstehen", klagt Jeannine genervt. Besser ging es Kathrin, deren Kleiner sie durchschlafen ließ. Angesichts einer Erkältung kann man dem Nachwuchs da nur ein großes Kompliment ob seiner Disziplin und Rücksichtnahme aussprechen.

"Einige besonders Motivierte wollen auch manchmal die höchste Stufe ausprobieren. Da ist das Kind dann kränklich, überempfindlich oder zahnt", erzählt Heinze. "Nach so einer Nacht haben die meisten dann erst einmal genug", plaudert er lächelnd aus dem Nähkästchen.

"Was uns sehr wichtig ist, ist die richtige Stützhaltung", so Heinze. Ein Sensor im Nacken zeichnet auf, ob die Puppen richtig gehalten wurden, alle Fehler bei dieser oder einer der anderen Tätigkeiten werden auf einem Computerchip registriert und bei der Auswertung in der Schule aufgedeckt.

Die Erfahrungen der Mädchen sind nach ihrem ersten vielfältig. „Mir macht es großen Spaß, ich wollte wissen, wie es ist ein eigenes Kind zu haben“, meinte Monique, auch wenn sie die ganze Nacht klein Auge zugetan hat. Auffällig sei, auf jeden Fall, dass „alle Leute gucken, manche sprechen einen auch an, einige finden es dann gut, während andere nicht verstehen können, warum ich mir das antue", erzählt sie.

Auf der Mauer

" Es war lustig, wie einen alle Leute gemustert haben", meint Jeannine. Denn sie musste auf dem Nachhauseweg die Windel wechseln und erledigte das auf einer Mauer. Da fuhren selbst die Autofahrer langsamer. Auch mit der Eifersucht musste die eine oder andere kämpfen. "Meine Katze hat der Puppe mit der Tatze auf den Kopf gehauen", berichtet Tabitha. Auch die Hunde einiger anderer Mädchen zeigten sich von dem unerwarteten Familienzuwachs eher weniger begeistert. Und was sagen die Eltern? "Meine Mutter wollte das Baby gar nicht mehr rausrücken", meint Kathrin und Monique ergänzt: "Meine hat sogar mit der Puppe gesprochen!" Ob ein echtes Baby auch solche Begeisterung hervorgerufen hätte?

Zurückhaltung

Die Väter zeigten sich dagegen eher etwas zurückhaltender, was auch bei den Projektteilnehmern auffällt. hier glänzen die Herren der Schöpfung durch Abwesenheit. Dabei richtet sich das Angebot genau so an sie. Monique dagegen ist sich sicher: "Ich will auf jeden Fall später Kinder haben!" und auch ihre Mitschülerinnen sind dieser Meinung. Es muss ja noch nicht jetzt sein.

dima

Der Verein Welle sucht immer Kinderkleidung in der kleinsten Größe und holt diese gegebenenfalls auch ab. Infos dazu und auch zum Projekt an sich gibt

es bei Kathrin Schinski unter 02104/808328.